gartenleidenschaft

"Medicus curat, natura sanat"

Essen wie die Alten Römer

15 Kommentare

Mittelalter-, Römer- und auch Keltenmärkte scheinen in letzter Zeit zu boomen. Dass dabei häufig Dinge verkauft werden, die in Wirklichkeit sehr wenig mit dem Mittelalter oder der Antike zu tun hatten ist die Regel. So etwa auch beim Essen. Auf Römermärkten sind etwa Süßspeisen sehr beliebt. Fragt man dann nach mit was gesüßt wurde, bekommt oft die Antwort Zucker. Spätestens jetzt sollten die Alarmglocken klingeln. Zwar wird in römischen Quellen ein Volk im Osten erwähnt, dass den „Honig aus rohrartigen Pflanzen gewann“, Zucker hat es deshalb aber noch lang nicht gegeben.

Im Zuge einer gastrosophischen Ringvorlesung durfte ich vor Kurzem einen sehr interessanten Vortrag über die wahren Essgewohnheiten der Römer hören. Diese dürften für unseren heutigen Geschmackssinn ziemlich seltsam sein, denn die römische Küche scheute keine Kontraste. So waren Kombinationen, wie süß-sauer, süß-schaft oder süß-bitter ganz normal. Eine Speise galt oft dann erst als gelungen, wenn man etwa den ursprünglichen Geschmack des Fleisches nicht mehr schmeckte. Heutzutage sind noch rund 1000 Rezepte aus jener Zeit erhalten. Leider geben diese aber meist nur die Zutaten wieder und nicht die Dosierungen. Heutzutage wird uns oft das Bild maßloser, „kulinarische Orgien“ veranstaltender Römer vermittelt. Tatsächlich dürften es aber auch nicht mehr „Orgien“ als heute gegeben haben. Die ärmeren Bevölkerungsschichten haben sich hauptsächlich von einer grünen und kalten Küche ernährt haben. Brot, Wein und Rettich galt als Speise der Armen. In den gehobenen Schichten wurde natürlich aufwendiger gekocht. Der Ruf der Maßlosigkeit basiert wahrscheinlich durchaus auch darauf, dass sie für exotische Tiere wie Papagei, Flamingo oder Siebenschläfer verspeisten. Aber auch die Genuß- und Körperfeindlichkeit des frühen Christentum dürfte dazu beigetragen haben. Da die römische Statthalter in den nördlichen Provinzen keinesfalls auf ihr gewohntes Essen verzichten wollten, wurden mediterrane Waren wie Wein, Olivenöl, Austern, usw. in den Norden exportiert. Dadurch wurde natürlich auch die dortige regionale Küche beeinflusst.

Kommen wir nun zu dem Kapitel, dass mich am meisten interessiert hat, das der Kräuter und der Gemüsen. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Römer sehr gerne würzten. Wobei man beachten muss, dass ihnen kein Zucker zur Verfügung stand und Salz auch mehr zur Konservierung als zum Würzen verwendet wurde. Als Süßungsmittel dienten damals Honig, Früchte wie Feigen, Rosinen oder Fruchtweine. Als Salzersatz wurde „Garum“ verwendet, dass sich den meisten von Euch noch aus dem Geschichts- oder Lateinunterricht bekannt ist. Die von mir oben erwähnten 1000 Rezepte wurde inzwischen hinsichtlich ihre Zutaten untersucht und bei den am Häufigsten verwendeten Lebensmittel stehen nicht etwa Gewürze wie Basilikum oder Thymian, wie man es für Italien vermuten würde auf Platz 1, sondern der Pfeffer, der schon damals aus Indien importiert werden musste. Danach folgen Garum, Wein, Öl, Honig, Essig, Liebstöckl, Kreuzkümmel, Raute, Zwiebel, Minze und schließlich Oregano, denn man sicher auch weiter vorne vermutet hätte. Oftmals hatten die Römer auch eigens zubereitete Gewürzmischungen, die man heute nicht mehr rekonstruieren kann. Wirft man den Blick auf das Gemüse, so würde unser Italienurlaub, wenn nur die damaligen zur Verfügungen stünden, ganz anders ausschauen. Keine Tomaten, Paprika, Pfefferoni, Auberginen, Mais, Reis, Vanille, Kaffeebohnen oder Kakaobohnen. Sehr beliebt bei den Römern war Wurzelgemüse, wie Rettich, Pastinaken oder Rüben. Von Kaiser Tiberius etwa weiß man, dass die Zuckerwurz sein Lieblingsgemüse war. Insgesamt dürfte es eine hohe zweistellige Zahl an fast vergessenen Gemüsen geben, die heute kaum noch kultiviert werden. Und genau hier werde ich ansetzen. Da mich dieses Thema sehr interessiert hat, werde ich mich in nächster Zeit nicht nur wissenschaftlich mit dieser Thematik auseinandersetzen, sondern auch im Garten mancher dieser Gemüsesorten anbauen 😀

Abschließend bekamen wir vom Professor noch zwei Rezepte, die ich Euch natürlich nicht vorenthalten will.

Garum

Zutaten: 350 g Sardinen, 1,5 l Wasser, 400g Salz, 1 EL Oregano

Zubereitung: Alle Zutaten in einen Topf geben und so lange Kochen lassen, bis das Gemisch etwas einzudicken beginnt. Dann abseihen (am Besten durch ein Tuch). Die Flüssigkeit ist dann das Garum. Die Rückstände wurden in der Antike als „Allec“ bezeichnet und wenn überhaupt nur den Sklaven gegeben.

„Römischer Kuchen“

Zutaten: 160g Weizenmehl, 810 g Hartkäse gerieben, Honig, 1Ei, Mohn

Zubereitung: Mehl, Käse, Ei und 3EL Honig gut miteinander vermischen und daraus einen Laib formen. Diesen dann auf ein Blech mit Backpapier geben und bei 150°C (Umluftofen) eine Stunde backen. Ca. 5 Minuten bevor die Stunde erreicht wird den Laib kurz herausnehmen, mit Honig bestreichen und Mohn darüber streuen und dann nochmals kurz ins Rohr geben. Wenn möglich sollte der „Kuchen“ warm gegessen werden.

Der Kuchen selbst soll laut dem Professor, sobald man sich an den anderen Geschmack gewöhnt hat, gar nicht so schlecht sein. Mir ist das ganze dann doch etwas zu käsig um es nachzukochen 🙂

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15 Kommentare zu “Essen wie die Alten Römer

  1. Lieber Florian,

    ganz abgesehen von der interessanten Info frage ich mich jetzt doch: Wer bist du nochmal? 🙂
    Die besagte Ringvorlesung besuche ich ab kommende Woche auch wieder brav; an den letzten Terminen war ich entweder beruflich oder krankheitsbedingt ausgeknockt… Das heißt jedenfalls, dass sich unsere Wege sicher schon mal gekreuzt haben. In „Über mich“ erspioniere ich, dass du Student im Endstadium bist? Ich weiß nicht, ob wir uns dann noch direkt an der Uni getroffen haben, ich bin eigentlich schon länger weg vom Studium (arbeite aber noch im Glaspalast) und besuche jetzt für meine wiederaufgegriffene Diss. doch noch diese eine RingVO.
    Ominös…
    und überhaupt, was gärtnerst du da herum, du solltest dich mit Haut und Haar dem Studium widmen (und ich sollte sowieso nur arbeiten und meine Seele meiner Institution vermachen, genau!). 😉

    Liebe Grüße
    Katharina

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    • Liebe Katharina
      Das ist ja lustig. Wenn du auch in der Vorlesung bist haben wir uns sicher schon einmal gesehen, da ich bis jetzt noch bei jedem Termin da war. Ob wir uns davor schon einmal gesehen haben weiß ich nicht. Bin aber inzwischen auch schon ein paar Jahre auf der Uni ^^ Ist meine Vermutung richtig, dass du Germanistik studiert hast?
      Tja was soll ich machen wenn das Arbeiten im Garten viel lustiger ist als Diplomarbeit schreiben 🙂
      Liebe Grüße, Florian

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      • Hallo Florian!
        Ja genau, da liegst du richtig.
        Den Gedanken mit der Gartenarbeit teile ich absolut. Da kann das Thema noch so spannend sein – sobald es zur Pflicht wird, ist vieles lustiger. 😉
        Herzliche Grüße
        Katharina

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  2. Ein hochinteressanter Bericht! Danke dafür!!!
    Und was den Kuchen angeht: da sind wir ganz bei Dir – irgendwie zu käsig…. 😀
    Liebe Grüße und einen schönen Abend
    AnDi

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  3. Das ist ja ein super cooler Beitrag. Bei mir zu Hause stehen mehrere Kochbücher der röm. Küche, da mein lateinbegeisterter Sohn daraus gerne kocht. Am liebsten aus dem Kochbuch des Apicius. Einige Zutaten sind aber echt gewöhnungsbedürftig 😟. In meiner timeline habe ich morgen ein Foto von einem Rezept und im nächsten Jahr findet bei mir ein römisches Kochmeeting mit einer Lateingruppe statt. Ich freu mich über deinen Beitrag. In diesem Sinne – Vale! 🍷

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  4. Sehr spannend, danke für die Info!
    Den Kuchen werde ich allerdings wohl auch eher nicht nachkochen… 😉
    Viele Grüße
    Jacqueline

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  5. Was für ein interessanter Bericht, bitte mehr davon!
    Ich mag Käse, ich liebe Käse, aber der Kuchen wäre mir dann wohl auch eine Spur zu viel des Guten was die Menge des Käse angeht 😀
    Hab noch einen schönen Tag und liebe Grüße
    Anna

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  6. Lieber Florian,
    ich danke dir für diesen sehr interessanten Bericht, denn ich interessiere mich sehr für alte Kulturen. Das Rezept für den „Käse“kuchen finde ich schon recht interessant. Vielleicht backe ich diesen kuchen tatsächlich einmal…
    LG Kathinka

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  7. Das ist ein toller Eintrag, sehr interessant! Und jetzt weiss ich was Garum ist 🙂
    LG Christel

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